Wie sieht eine kardiologische Untersuchung anhand eines Fallbeispiels konkret aus?
Vorberichtlich ist dieser 2 jährige Deutsche Schäferhundrüde durch Leistungsschwäche aufgefallen. Anlass den Haustierarzt aufzusuchen waren zwei kurze Synkopen ("Umfallen") in Abständen von 2 Tagen. Der Kollege überwies den Hund zur Herzuntersuchung. Wir konnten bei der Allgemeinuntersuchung ein systolisches HG (Lautstärkegrad 4/6) weit kranial auf der linken Thoraxseite feststellen.Der Herzschlag war unregelmäßig.
Die Herzfrequenz lag bei 120/Min. wechselte aber immer wieder bis zu einer Frequenz von 200/Min. Während der tachykarden Phasen besteht ein Pulsdefizit.
Die Herzuntersuchung bestand in diesem Fall aus einem EKG, einer Röntgenuntersuchung des Thorax und aus dem Herzultraschall. Im EKG finden sich viele Phasen einer Kammertachykardie (VES in Runs) und unzählige einzelne monofokale Ventrikuläre Extrasystolen (VES).Die laterolaterale und ventrodorsale Röntgenaufnahme des Thorax zeigt eine prominente Ausbuchtung kranial des Herzens (l/l) und ein verbreitertes kraniales Mediastinum (v/d) als Anzeichen einer poststenotischen Dilatation der Aorta ascendens. Kein Anzeichen auf Kongestion (Lungenödem, Thoraxerguß).

Die Herzultraschalluntersuchung gibt schließlich Aufschluß über die Ursache der Herzerkrankung. Mit dem Ultraschall lässt sich eine deutliche Verengung der Aorta erkennen (Subaortenstenose). An dieser Engstelle nimmt die Blutfußgeschwindigkeit stark zu und beträgt 6,23 m/Sek (normale Blutflussgeschwindigkeit: 1,20 m/Sek.) und ist Ursache des Herzgeräusches.
Da das Herz permanent gegen diese Verengung der Aorta anpumpen muß, verursacht dies eine sekundäre Verdickung (Hypertrophie) des Herzmuskels (linksventrikuläre Hypertrophie). Sauerstoffunterversorgung, Herzmuskelschädigung und Herzrhythmusstörungen sind die Folgen. Je früher die Diagnose dieser angeborenen Herzveränderung diagnostiziert wird, desto besser ist die Prognose des Patienten.
Die medikamentöse Therapie richtet sich gegen die Rhythmusstörungen. Die Synkopen konnten unter Therapie unterdrückt werden. Mittel der Wahl bei Subaortenstenose in Verbindungen mit Synkopen ist die Ballondilatation der Engstelle mittels Kathetertechnik. Dieser Eingriff hat an der Aorta kein unerhebliches Risiko. Die meisten Patienten haben nach dieser Intervention keine Synkopen mehr.
